DMSG-Selbsthilfegruppe
"Unser Mobile" - Augsburg
Link zum DMSG Bundesverband
  Aktuelle Seite: Was ist MS? Druckversion   


  Home
  Wer sind wir?
  Was machen wir?
  Gruppe warum?
  Wann / Wo?
Was ist MS?
    Symptome
  Tipps
  Kalender
  Spenden
  MS und Schwanger
  Erlebnisse
  Geschichten
  Links
  Impressum



Was ist MS?

Myelin

Multiple Sklerose (MS) ist eine Krankheit, die die Nervenbahnen im Gehirn und das Rückenmark befällt. Hierbei werden die Schutzschichten (das Myelin) der Nervenleitungen (Axone) angegriffen und zerstört. Ein defektes Immunsystem spielt ebenfalls eine Rolle.

Diese Angriffe erfolgen an verschiedenen (multiplen) Stellen im Körper. Dort entstehen dann Narben, die der Körper durch hartes (sklerotisches) Gewebe, das nicht mehr in der Lage ist, elektrische Nervensignale weiterzuleiten, ersetzt.

 

Die Folge sind Störungen des Gehvermögens, kribbeln in den Armen und Beinen, Sprach- und Schluckstörungen, Gleichgewichtsstörungen, Schwäche (Fatigue), Sehstörungen, Inkontinenz uvam.

MS ist die Krankheit mit den 1000 Gesichtern. Unzählige Kombinationen sind möglich. Diese Symptome können vorübergehend aber auch fortwährend sein.

Zusätzlich können sich auch durch diese Beeinträchtigungen  schwere psychische Verstimmungen ausgelöst werden und/oder  Probleme im privaten und beruflichen Bereich auftreten.

Der Verlauf der MS ist genauso unterschiedlich wie ihre Symptome

Es gibt schubweise und chronische (langsam schleichende) Formen - auch beides kombiniert ist möglich. Frauen erkranken häufiger als Männer (Verhältnis ca. 3:2).
Bis heute ist noch keine Ursache dafür erforscht, was die Krankheit unheilbar macht.

Welche Rolle spielt das Immunsystem?

Die heutige Wissenschaft geht davon aus, dass MS durch ein fehlgeleitetes Immunsystem verursacht wird. Es erkennt die Myelinschicht als fremd im Körper an und attackiert sie. Deshalb spricht man auch von einer Autoimmunkrankheit. Durch einen noch nicht geklärten Mechanismus gelingt es den T-Zellen, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden. Die meisten Experten sind sich darüber einig, dass eine Fehlregulation des körpereigenen Immunsystems anschließend zur schrittweisen Zerstörung der Nervenhüllen führt.  

Ursachen und Folgen

Die Ursachen für dieses Verhalten der Immunzellen sind bis heute noch nicht geklärt. Fest steht - Es entstehen Entzündungsherde die zu Schäden an den Nerven und Abbau der Markscheiden führen. Die Reizweiterleitung ist verlangsamt oder ganz unterbrochen. In schweren Fällen können auch die Nervenzellen direkt angegriffen werden.

Weitere Informationen und Broschüren zu diesem Thema erhalten Sie bei der DMSG (Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft) Bundesverband e. V. Hannover, Tel. 0511 / 96 83 40

Hier erfahren Sie auch näheres über die 16 Landesverbände in Ihrer Nähe.

Zahlen, Daten, Fakten...

MS ist...

  • eine chronische, lebenslang bestehende Krankheit
  • die häufigste entzündliche Erkrankung des Zentralen Nerven Systems (ZNS)
  • die zweithäufigste neurologische Krankheit überhaupt
  • in Deutschland ca. 100 000 – 120 000 Erkrankte, in Europa ca. 500 000 und weltweit ca. 2,5 Mio. Menschen diagnostiziert
  • Männer sind weniger betroffen als Frauen 2:3
  • abhängig von der ethnischen Zugehörigkeit, gehäuftes Auftreten in der weißen Bevölkerung Europas, Nordamerikas und Australiens, in der schwarzen Bevölkerung fast ungekannt
  • nicht zwangsläufig an den Rollstuhl fesselnd - nach 25 Jahren Krankheit leben noch immer ein Leben ohne Rollstuhl
  • nicht vererblich im klassischem Sinn
  • bis heute nicht endgültig aufgeklärt

MS ist heute...

  • noch immer nicht heilbar
  • im Verlauf zu beeinflussen
  • eine Erkrankung, die in den letzten 50 Jahren insbesondere durch die Arbeit der DMSG in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird

Mögliche Syptome:

Organische Symptome:

  • Fatigue (Müdigkeit, Schwäche, Schlappheit)
  • Sprachstörungen
  • Sehstörungen
    • (Doppelbilder
    • Nystagmus (Augenzittern)
    • verschwommen sehen
  • Sehnerventzündung
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Ataxien (unkontrollierte Zuckungen)
  • Sensibilitätsstörungen
  • Störungen der Feinmotorik
  • Koordinationsstörungen
  • Blasen- und Darmstörungen (Muskulatur entweder zu kräftig oder zu schwach)
  • Sexualstörungen
  • Konzentrationsprobleme
  • Empfindungsstörungen
    • Kribbeln
    • Taubheitsgefühl an verschiedenen Körperstellen
    • Spastiken
  • Lähmungen

Anfängliche psychische Symptome

Phase 1
"SCHOCK"

Zuerst kommt der Schock, wenn man von der Diagnose hört. Man begreift im Einzelnen nicht was das jetzt bedeutet, man fühlt sich aber verunsichert und bedroht. Sachliche Informationen können in dieser Phase nicht aufgenommen werden. Man empfindet Wut, Trauer, Frustration, Angst und Verzweiflung.

Phase 2:
"VERLEUGNUNG"

Als nächstes folgt die Verdrängung. Man will sich nicht mit dem Schicksal abfinden, diese Erkrankung zu bekommen haben. Es kommen Überlegungen, dass man sich eigentlich nicht krank fühlt und es braucht bestimmt nur Zeit und dann ist alles wieder in Ordnung. Vielleicht hat sich der Arzt geirrt, oder die Tests waren ungenau. Woanders gibt es bestimmt eine andere Diagnose und eventuell sogar ein neues Wundermittel.

Phase 3:
"VERHANDELN"

Sie wollen nicht mit dem Schicksal verhandeln und versuchen verzweifelt nach Alternativen. Sie stellen sich die Frage warum gerade Sie diese Erkrankung bekommen haben. Manche haben Schuldgefühle und empfinden es als Strafe MS zu haben.

Phase 4:
"DEPRESSION"

Eine Phase der Depression ist ebenfalls sehr häufig und verständlich. Sie fühlen sich möglicherweise traurig, bedrückt, gereizt und hoffnungslos. Eine Depression kann sich aber auch anders zeigen. Man hat keine Lust mehr, nichts freut sie mehr. Es fehlt die Energie sich aufzuraffen, Nötiges und sogar Erfreuliches zu tun. Schlafstörungen und Suizidgedanken können auftreten.

Phase 5:
"AKZEPTANZ"

Nach einiger Zeit des Rückzugs und der Trauer beginnt sehr oft ein akzeptieren der Tatsache, erkrankt zu sein. Manchmal wird Akzeptanz missverstanden als „Sich-der-Krankheit-Ausliefern“, ihr die Führung überlassen und „Sich-gehen-lassen“.

Zeichnung eines frisch Betroffenen

Zum Aufbau unserer Homepage besorgte sich Rudi Euerl ein Bild, das er 1993 gezeichnet hat - ein Jahr nach der Diagnose.

Seine Ziele und Träume waren zu dem Zeitpunkt ausgelöscht und er sah keine Zukunft mehr. Tiefste Verzweiflung, Wut, Trauer, Ängste und Hilflosigkeit bestimmten fortan sein Leben.

Mit gemischten Gefühlen begab er sich daraufhin zu einem Psychotherapeuten und bekam bald in der Therapie eine Aufgabe für Zuhause: „Zeichnen sie sich selbst, wie sie sich mit der MS sehen“.
Von Beruf Zeichner, war es ihm möglich, alles aus seinem Innersten aufs Papier zu bringen. Seine Seele begann zu zeichnen. Er betrachtete sich selber wie in einem Spiegel und was er sah erfüllte ihn mit Schrecken.

Graue, dunkle und kalte Finsternis ist um ihm herum und eine zähe klebrige Masse zieht sich langsam über seinen ganzen Körper. Seine Bewegungen werden immer mehr eingeschränkt. Schwere Eisenplatten drücken auf die Brust und engen ihn ein. Metallklammern und Bändern an den Beinen lassen kaum ein Gehen mehr zu. Sein Schreien verhallt ins Leere. Allein und eingesperrt in der Trostlosigkeit nähert sich ihm eine dunkle Gestalt, die MS.

Seine Krise hat er längst überwunden. Mit vielen Therapiestunden und Geduld ist aus ihm wieder ein fröhlicher und aufgeschlossener Mensch geworden. Für sein Leben gibt es eine neue Wertigkeit und viele schöne Momente mit Licht und Sonnenschein. Die MS bestimmt nicht mehr über ihn und er hat gelernt damit umzugehen.

Zusammen mit Christa Rößner leitet er mit großer Freude und Begeisterung unsere Selbsthilfegruppe, ohne allerdings sein Bild aus den Augen zu verlieren.

Wenn die Diagnose MS mitgeteilt wird, haben manche eine Zeit der Verunsicherung und Unsicherheit hinter sich. Man war konfrontiert mit verschiedenen Missempfindungen von Körperfunktionen, die für einen unerklärlich und für die Umwelt oft schwer vermittelbar waren. "Das Kind hat jetzt einen Namen"

Weitere psychische Symptome:

  • Selbstzweifel
  • Herunterspielen der Krankheit
  • Verleugnung
  • Schuldgefühle
  • Stimmungswechsel: Euphorie und Depression
  • Schlafstörungen
  • Überempfindlichkeit
  • Lebensangst

Entscheidend für den Verlauf der Krankheit ist das Verständnis oder Unverständnis vom Partner, der Familie, dem Freundeskreis und den Ärzten. Die gemeinsame Auseinandersetzung mit den auftretenden Problemen kann helfen mit der Diagnose besser umzugehen.

Durch die Umwelt hervorgerufene Symptome

Oft wird die Krankheit vom Umfeld nicht verstanden oder falsch interpretiert. Die psychischen Symptome werden oft als Faulheit, Unlust, fehlende Willenskraft und Schwäche hingestellt. Das kann sich täglich und in jedem Bereich des Alltags ereignen.

Familie, Freunde, Bekannte und das Umfeld wissen häufig nicht wie sie mit einem MS-Betroffenen umgehen sollen. Manche Ehen oder Partnerschaften gehen auseinander, Freunde ziehen sich zurück, Kontakte brechen ab. Vereinsamung und Isolation können die Folge sein, aber auch festere Beziehungen und Kontakte können daraus entstehen.

Wenn die Krankheit auf den ersten Blick nicht sichtbar ist, wird man als Hypochonder bezeichnet. Ungerechtigkeiten und Verständnislosigkeit tun weh. Es werden absurde Vergleiche gezogen (gestern warst du doch auch fit....) und es erscheint einem sinnlos immer und immer wieder die 1000 Möglichkeiten der MS zu erklären. Die Kraft dafür fehlt.