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Christine, 34 Jahre (MS-Betroffene)

"Trotz MS ein Kind"?

Kann ich leider nicht beantworten.
Es kommt je nach dem Gesundheitszustand drauf an. Ist das Kind aber erst  mal da und es geht einem schon mal schlecht, kann es  zunehmend anstrengender werden.

Jetzt mal kurz abgeben bis es wieder besser geht. (Geht halt nicht wirklich)!
Es sei denn, man hat immer jemanden auf Abruf bereit, zum Beispiel die Oma, Verwandte, Freunde ...!
Was aber meist auch, je nach Umständen, nie ohne Anstrengung abläuft. Und das kann Ärger machen, weil man zu Vielem nicht mehr in der Lage  ist.
Schwierig wird’s, wenn man immer selbst an seine Grenzen kommt und dazu noch entsprechende Hinweise bekommt:

1."Das kannst Du nicht – gib das Kind nur zu mir"
oder
2."Das wirst Du doch wohl noch schaffen. Das geht schon, stell Dich nicht so an"!

Zu 1. Schnell wird es klar, man ist zu manchen nicht fähig, oder es wird einem erst gar nicht erst zugetraut. Psychisch fühlt man sich , wenn es wiederholt vorkommt, total schlecht. Man möchte doch eine gute Mutter sein!
Zu 2. Wirkt man nach außen hin "fit" und sieht man dazu auch noch "gesund" aus, ist die MS für andere nicht zu verstehen. Man möchte doch nur wenigstens einen guten Eindruck machen, auch wenn man ein Häufchen Elend ist. Aber nach einer gewissen Gehstrecke bzw. Anstrengung ist die MS zu sehen. Dann erst halten viele ihren Mund – zu spät!

Mein Kind ist den ganzen Tag im Kiga und ich kann (muß) mich ziemlich viel ausruhen. Meistens komm ich nur zur Bring -und Abholzeit und da sieht es mir keiner an, daß ich Probleme hab. Wenn es mir schlecht geht bleibe ich meist Zuhause - geht ja auch nicht anders! Leider! Und jedem immer wieder das gleiche zu erzählen, ist auf die Dauer anstrengend und nervend!

Das nächste ist, daß man mit Kindern nicht ausruhen kann, wenn man  muß und möchte. Man sollte eigentlich 24 Stunden auf Abruf parat sein und funktionieren. Sicherlich kann man Kinder so erziehen, daß sie selbständig werden. Das kostet aber ziemlich viel Kraft und ist sehr anstrengend. Geht auch nur, wenn man anfangs noch relativ fit ist.

Schafft man dies allerdings nicht, können die Kinder ganz schön schnell zur Last werden. Vielleicht hätte man sich den Kinderwunsch doch besser überlegen sollen.

Ich möchte mein Kind keinesfalls missen, weil es mir sehr oft Freude bereitet und auch sehr stolz macht.

Und doch stell ich mir immer wieder die Frage: Ist mein Kind glücklich wenn:

  • ich sportlich wenig bis nichts unternehmen kann
  • auch keine lange Spaziergänge ohne Rolli möglich sind
  • wir nicht schwimmen gehen, aus Angst daß ich nicht rechtzeitig reagieren kann und es ertrinkt
  • keine „Action“ zu erwarten sind
  • ich große Veranstaltungen meide
  • ich mehrere Unternehmungen nicht mehr auf einmal machen kann
  • ich vor lauter Streß laut und ungerecht bin
  • wenig Geld da ist, aufgrund kleiner Rente...?

Es gibt eine Vielzahl von Dingen, die immer wieder auftauchen und von Zeit zu Zeit daran erinnern, daß man eigentlich "unfähig" ist. Und man verfällt von leichter depressiven Verstimmung in eine Depression, die nie aufhört, solange die MS unheilbar ist.

Ich dachte vor dem Kind, das schaffe ich. Immer wieder zweifle ich daran, weil es einfach nicht so klappt, wie ich es mir vorstellte. Bin ich meinem Kind eher lästig? Zumal es manchmal lieber bei den Großeltern ist oder bei anderen, als bei mir. Daß ich mal ohne Mann dastehe, kann mir auch nicht passieren – dachte ich. (Ist leider bei MS-Betroffenen häufig der Fall)!

Es kommt halt eben immer anders, als man denkt