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MS-kalation - Eine Chronik

von Peter Flierl

August 1984

Fahrradtour – Augsburg – Donauwörth – Wassertrüdingen – Dinkelsbühl – Feuchtwangen – Ansbach, ca. 170km ohne Beschwerden oder sonstige Auffälligkeiten. Offensichtlich gesund!

Oktober 1986

Auftreten einer Parese am rechten Fuß, bei einer Laufstrecke von über 2,5 km.

1987

Feststellung einer gewissen dumpfen Schwerfälligkeit beim Auftreten und Gehen.

Mai 1988

Plötzliches Auftreten einer störenden Behinderung im rechten Fuß. Parese bereits bei einer Wegstrecke von unter 2,5 km.

Oktober 1988

Rasch schauerartiges Auftreten von Nervenstörungen entlang der Wirbelsäule. Lhermitte-Zeichen, die nach 1 - 2 Wochen im wesentlichen wieder verschwanden.

November 1988

Erste nervenärztliche Untersuchungen und sofortige Einweisung in die Neurologische Abteilung des Zentralklinikums Augsburg.

April 1989

Mein Neurologe bestätigte nach einer allgemeinen Untersuchung, die Diagnose „MS“ und stellte an meinen Sehnerven rechts eine größere Verzögerung als links im VEP fest. Insgesamt aber noch Werte und Erkenntnisse, mit denen es sich noch gut leben ließ. Somit wurde von April 1989 bis September 1995 eine Therapie mit 150 mg eines Immuntherapeutikums täglich begonnen.

August / September 1989

Probleme bei der Berufsausführung als Stahlbauschlosser. Gabe von 5 x 500 mg Cortison - damit war auch das Lhermitte-Zeichen bis heute verschwunden. Anerkennung eines Schwerbehindertenstatus (Grad der Behinderung = GdB) von 60% durch das Versorgungsamt.

September 1989

Krankheitliche Störungen bzw. Folgen - einseitiger Muskelkater in der rechten Armmuskulatur, trotz ziemlicher Gleichbeanspruchung beider Arme.

September 1989 - Mai 1991

Fast zwei Jahre keine neuen Auffälligkeiten.

Juni 1991

Plötzlicher Verlust der Schreibfähigkeit der rechten Hand. Gute Rückbildung der Störung binnen einer Woche durch Gabe von 5 x 500 mg Cortison.

Dezember 1991

Auftreten erheblicher Leistungsschwächen am Arbeitsplatz binnen 24 - 48 Stunden. Daraufhin bekam ich 5 x 500 mg Cortison mit mangelnder Wirkung. Ich konnte daraufhin nie mehr als Stahlbauschlosser berufstätig werden.

1992 - 1994

Schleichender Fortschritt der Krankheit während meiner Umschulung

Juli 1993

Rasch auftretende lästige Blasenprobleme. Günstige Beeinflussung bis Mitte 1995  durch ein Medikament gegen die Spastik.

Dezember 1993

Zunehmende  Verschlechterungen und scheinbar erfolglose Gabe von 3 x 500mg Cortison.

Februar 1994

Weitere erfolglose 5 x 500 mg Cortison.

Juni / Juli 1994

Verhängnisvoller Schub - unmittelbar vor bzw. während meiner Technikerprüfung, der sich auch nicht mit 5 x 500 mg Cortison beeinflussen ließ.

November 1994

Leichter Schub mit kribbeln und Kälteempfindungen im rechten Fuß, der sich nach 5 x 500 mg Cortison gut zurückgebildet hat.

Juni 1995

Während einer mehrwöchigen medizinischen Rehabilitation bzw. Arbeitserprobung in den Schmieder Kliniken, Gaillingen trat wieder ein Schub auf  - diesmal die Arme und Beine betreffend und allgemein schwächend. Gute Rückbildung der Symptomatik nach einer Gabe von 5 x 1000 mg Cortison.

August 1995

Anfang August bekam ich schon den nächsten Schub.
Die Fußsohlen wurden ledern, ich ging wie auf prickelnden Schaumgummi. Selbst barfuß hatte ich das Gefühl als würden die Füße von viel zu engen Schuhen zusammengedrückt.
Die Waden fühlten sich an, als wäre man als Ritter Tag und Nacht in stählerne Gamaschen umhüllt, die selbst beim liegen drücken. Diese „lederne“ Gefühlsminderung zog sich hoch bis zu den Oberschenkeln. Die Symptome waren beidseitig, links vielleicht etwas stärker, als rechts.
Außerdem gab es im Gesäss stets das Gefühl, als wenn einem da ein dickes Seil durchgezogen wird. Auch der Darmschließmuskel war unförmig verkrampft.
Überhaupt schien im Unterleib vieles, wenn nicht gerade gelähmt, so doch reichlich gefühlslos. So zum Beispiel mein Penis, der binnen drei Tagen allenfalls noch wie ein fremder Gartenschlauch zu verwenden war. Zum Glück bin ich nicht verheiratet und hab keine Freundin.
Die Funktion der Blase war überraschend nicht beeinflußt.
5 x 1000 mg Cortison hatten die ersten 2-3 Wochen keine Wirkung! Erst danach verschwanden das Darm-Gesäß-Unterleibs-Problem innerhalb der nächsten 2 Wochen genauso schnell wie sie gekommen waren. Die Leistungsfähigkeit und die  Ermüdbarkeit scheinen sich insgesamt auch verschlechtert zu haben!

Februar 1996

Erstmals kam es zu problematischen Komplikationen in Folge eines Fieberschubs.
Bei steigen der Körpertemperatur von 37 °C auf 38 °C, wurde ich steif wie ein Brett. Ich konnte kaum mehr auf dem Boden kriechen, geschweige die Wohnungstüre öffnen.
Mit einem fiebersenkenden Medikament gelang es mir die Temperatur auf 37 °C  zu drücken, wodurch sich die rechtsseitige Versteifung wieder löste. Daraufhin waren  mir die nötigsten Gänge in der Wohnung wieder möglich.
Eine solch gefährliche und unangenehme Art von grippalen Infekt, begleitet von Schnupfen, leichtem Halsweh und ein wenig Husten, hatte ich mit all diesen Folgen in den letzten Jahren ca. 4 - 5 mal. Das sollte auch mal erwähnt werden.

Juli 1996

Bei meinen bescheidenen Spaziergängen (ca. 500 – 800 Meter) verspürte ich einen Hauch von Störungen wie im August 1995. Sie verschwanden unmittelbar nach 5 x 500 mg Cortison, durchgeführt von meinem Neurologen.

1996

Insgesamt kann ich mich des Gefühles nicht erwehren, dass mit oder ohne Schub sich auch im Jahr 1996 mein Zustand verschlechtert hat.

Jahreswechsel 1996/1997

Über die Feiertage fühlte ich eine Verschlechterung, die sich in einer zunehmenden Verstärkung der Steifheit meines rechten Beines bemerkbar machte. Auch bei der MEP-Untersuchung konnte mein Neurologe kleine Anzeichen schubartigen Geschehens registrieren. 3 x 1000 mg Cortison folgten als Therapie. Binnen 2 Tagen schien sich meine Gehfähigkeit scheinbar zu bessern.
Dann allerdings begann es sich wieder zu verschlechtern.
Bei gelegentlichen Gehaktionen von ca. 500 Metern scheint dennoch eine Besserung seit dem Cortison vorhanden zu sein.
Ein halbjähriger regelmäßiger Cortisonstoss war zukünftig vorgesehen, auch ohne eindeutigen Schub.

Februar 1997

Mitte Februar, einen Monat nach dem letzten Cortisonstoss, ergab sich wieder eine spürbare Verschlechterung, die mit zunehmender Müdigkeit und brennen an den Füßen (Schwerpunkt Fußsohlen) einher ging.
Auch das EEG wies irgendeine verlangsamte Stelle im allgemeinen Wellensalat auf.
Die Behandlung erfolgte mit 3 x 1000 mg Cortison.
Die empfundenen Störungen entwickelten sich im Laufe der nächsten Tage scheinbar wieder zurück.

November 1997

Prophylaktische Behandlung mit 5 x 500 mg Cortison.

Februar 1998

Es wurden nun alle 3 Monate eine 5 x 500 mg Cortisonstherapie durchgeführt:

1998

Februar

Mai

September

Dezember

1999

Februar

Mai

September

Dezember

2000

Februar

Mai

September

Dezember

2001

März

Juni

September

-

2002

Januar

April

Juli

November

Es trat kein Schub auf, wohl aber eine schleichende Verschlechterung.

November 2002

Zwei Monate nach der letzten Stoßtherapie bekam ich einen schweren Schub, der auch  mit 2 x 1000 mg und 1 x 500 mg Cortison nicht zu bremsen war.
Binnen 5 Tagen war ich total gehunfähig und bettlägrig.
Nach 3 Wochen kam ich in eine Fachklinik für Neurologie, wo drei neue Entzündungsherde festgestellt wurden. Dort bekam ich weitere 5 x 500 mg Cortison. Daraufhin verspürte ich einen Hauch von Besserung.

Januar 2003

Erneuten Schub, der mit 2 x 1000 mg und 1 x 500 mg Cortison behandelt wurde. Seitdem bin ich ein leichter Pflegefall geblieben und komme nicht mehr aus dem Haus.

November 2004

Um eine eindeutige vorhandene chronische Progredienz zu mildern oder zu stoppen, hat eine Neurologin bei mir einen hochdosierten Cortisonstoss durchgeführt. Das führte mich binnen 48 Stunden zu einem grässlichen Cortisonloch, in dem ich hilflos und bettlägrig war, so wie in jenen Wochen Januar/Februar 2003.
Nach ca. 1 Woche  besserte sich die ganze Angelegenheit. Den Zustand heute  (Mitte März 2005)  ist eher schlechter als vor dem Cortisonstoss.

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Leider hat unser Peter seinen Kampf verloren. Er starb am 6. November 2006 im Alter von 48 Jahren.